Tagungs-Datum: 
05.03.2009 bis 08.03.2009
Thema: 
SPRECHWEISEN – SZENISCHES SCHREIBEN
Ort: 
Inzighofen

Segeberger Jahrestagung - Programm 2009

Szenisches Schreiben ist das Schreiben für die Szene, die sich auf der Bühne im Theater, im Film oder im Hörspiel ereignet. Die Vorführbarkeit oder Spielbarkeit des Textes ist das Ziel. Auf der Jahrestagung 2009 des Segeberger Kreises ist das Thema der szenische Text, der in der Schreibgruppe entsteht. Die Schreibgruppen beschäftigen sich mit Dialogen, Szenen und Szenenfolgen und erproben – gleichsam im Gruppenexperiment – Ausschnitte aus der Welt des szenischen Schreibens.

Auf den ersten Blick scheint die Gruppe für das szenische Schreiben eine ausgezeichnete Schreibumgebung zu sein. Schließlich lebt die Gruppe vom Dialog (und Monolog) und bisweilen auch von Konflikten, die auf der Bühne des Gruppengeschehens zur Aufführung gebracht werden. Schriebe die Gruppe im kollektiven Reflexionsprozess über sich, wären einige Elemente des Dramas aus unmittelbarer Erfahrung zu gewinnen: die Entfaltung der Handlung und des Konflikts, der über Dialog und Monolog gestaltet wird:  als Tragödie mit Wertekonflikten der Mitspieler, als Komödie mit heiterer und amoralischer ­Gelassenheit.

Der Stoff wäre mit der Gruppenerfahrung gegeben. Aber ob es auch ein guter Stoff wäre, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Neben dem guten Stoff aber ist noch entscheidender, dass beim szenischen Schreiben die Unmittelbarkeit der Erfahrung gerade durchbrochen werden muss. Dialoge im szenischen Schreiben sind niemals ein Transkript von Alltagsgesprächen. Wesentlich für das Schreiben von Szenen ist nicht nur, für welches Medium der Dialog verfasst wird. Hinzu kommt die Gestaltung des Dialogs nach dem Gesetz der Verkürzung (z. B. Einheit von Ort, Zeit, Handlung) oder dem Gesichtspunkt der Steigerung und Kontrastierung, die Personen der Szene und die Figurencharakteristik im Dialog, die Handlungslogik, bei der es vom Glück zum Unglück oder umgekehrt gehen kann, die Gestaltung der ‚Wissensverteilung’ zwischen dem Publikum und dem Bühnengeschehen, das Schreiben von Regieanweisungen etc.

Es scheint, als habe szenisches Schreiben wenig mit Spontaneität, Kreativität und Gruppendynamik zu tun, sehr viel aber mit kalkulierter und publikumsbezogener Gestaltung eines wirksamen Stoffes ­ sowie mit bewussten Sprachstrategien. Aus diesem Gegensatz entsteht die Spannung, für die auf der Jahrestagung Lösungsansätze und Perspektiven für die Arbeit mit Schreibgruppen gefunden werden sollen. Die Absicht der Tagung ist, auch im schwierigen Feld des szenischen Schreibens Schreibanregungen, Schreibverfahren und Rahmungen für das Schreiben in Gruppen zu finden.