Tagungs-Datum: 
24.03.2011 bis 27.03.2011
Thema: 
KOMISCH SCHREIBEN
Ort: 
Undeloh

Segeberger Jahrestagung - Programm 2011

Zwei Kannibalen essen einen Clown. Sagt der eine: „Schmeckt der aber komisch …“ Witze lassen sich gut erzählen, aber komisch schreiben. – Komisch schreiben? Auf der Jahrestagung 2011 geht es nicht um Witze, wohl aber um den Witz, um die Pointe, um das Komische im geschriebenen Text. Wie lässt sich Komisches schreiben? Die Pointe, die vor dem Aufschreiben noch ein Lachen auslösen konnte, verblasst schon beim Abfassen des Textes, tritt einem mit dem fertigen Text merkwürdig fremd gegenüber und erzeugt beim Wiederlesen allenfalls ein müdes Lächeln.

Bei Komik und Humor ist oft mehr von außersprachlichen Zuständen abhängig als von der gestalteten Sprache selbst. Wenn einer schreibt: „Der Koch emfehlt …“, möchte man die Orthografie korrigieren. Sieht man den Text hingegen in einer Illustrierten auf einem Foto, das mit Orts- und Zeitangabe versehen ist und eine Tafel mit eben diesem Text vor einem Restaurant zeigt, ändert sich die Einstellung und es wird irgendwie witzig. Die Literaturgeschichte bietet zahlreiche Beispiele dafür, wie Humor und das Komische im geschriebenen Text gestaltet werden können. Hölderlin und Rilke haben den Humor sicherlich gefürchtet. Von Jean Paul, Heinrich Heine, Grabbe, den Dadaisten bis hin zu Heinrich und Thomas Mann, Musil oder Ernst Jandl lässt sich indes viel lernen. Und natürlich kann man auch die Satireblätter Eulenspiegel oder Titanic lesen.

Sprachliche Mittel sind nie von sich aus humorvoll oder komisch. Gerade deshalb kann das komische Schreiben für das kreative Schreiben in Gruppen interessant sein, weil sich unmittelbar erfahren lässt, wie sich Situation, Gruppendynamik und sprachliche Mittel ins Verhältnis setzen und im einen Fall ihre Wirkung entfalten, im anderen halt nicht. Die Schreibgruppen auf der Jahrestagung bieten die Möglichkeit, die Sprachlichkeit für den Humor, die Komik, das Ironische, den Scherz, die Satire im Medium der Schriftsprache besonders in den Blick zu nehmen, Verfahren für das komische Schreiben zu entdecken und damit zugleich die Grenzen zwischen Situativem und Dialogischem sowie dem schriftlich gestalteten Text genauer in den Blick zu nehmen und zu reflektieren.