Tagungs-Datum: 
03.04.2014 bis 06.04.2014
Thema: 
SCHREIBEN21 - WAS IST ZEITGEMÄSS?
Ort: 
Meißen

Segeberger Jahrestagung - Programm 2014

Gegenwartsliteratur sind die literarischen Texte, die gegenwärtig geschrieben und veröffentlicht werden. Ihr Charakter wird bestimmt von den AutorInnen, die als bedeutend wahrgenommen werden. Ist die gegenwärtige Literaturlandschaft als Schreiben21 zu bezeichnen? Also als gespaltene Gegend, die sich als eine Wut-Schreiberei gegen eine leserferne und von oben verordnete veröffentlichte Literatur auszeichnet? Passt zum zeitgenössischen Schreiben das Bild des Schienen-Verkehrsprojekts Stuttgart21? Gibt es auf dem literarischen Markt so etwas wie ein gescheitertes Bürgerbegehren, eine Schlichtung? Und was ist daraus für das Kreative Schreiben zu lernen?

Wut: Wenn es in den letzten zehn Jahren im Zusammenhang mit Literatur zur Wut kommt, dann sind es politische Themen, die sich an Texten und ihren AutorInnen entzünden. Die Gegenwartsliteratur wird beim Tod eines Kritikers (M. Walser) ebenso wie beim Grass-Gedicht Was gesagt werden muss zum Reflexionsmedium des Politischen und Historischen. Auf der Jahrestagung könnte danach gefragt werden, welche gegenwärtigen Themen mit welchen literarischen Mitteln bearbeitet werden können.

Umbau: Das literarisch-ästhetische Urteil zur politischen und belletristischen Gelegenheitsliteratur fällt meist vernichtend aus. Und kaum sind solche Texte gelesen, rezensiert und diskutiert, verdrängen neue Texte sie aus der ersten Reihe. Der blinde Fleck des ästhetischen Urteils über die Gegenwartliteratur ist die Nachhaltigkeit. Der literarische Wert von Grass‘ Blechtrommel ist aufgrund seiner Sprache und seiner Form recht unbestritten. Aber ob es auch Katharina Hackers Alix, Anton und die anderen auch in das kulturelle Literaturgedächtnis schafft, ist noch nicht ausgemacht. Die Autorin zerstritt sich wegen der Präsentationsform des Textes mit Suhrkamp. Der Roman sollte in zwei Spalten gedruckt werden, beide im gleichen Format. Eine Spalte, die das Geschehen ablaufen lässt, die zweite Spalte mit weiterführenden Begebenheiten zu den Figuren des Romans. Suhrkamp hat aus der zweiten Spalte so eine Art Anmerkungsspalte gemacht. Das beabsichtigte parallele Erzählen war nicht mehr sichtbar und rezipierbar. Eine handfeste Auseinandersetzung um Formen des Literarischen mit der Folge, dass Katharina Hacker heute bei S. Fischer schreibt. – Aktuelle Formen des Literarischen können auf der Jahrestagung entdeckt, adaptiert, erweitert und erprobt werden.

Schlichtung: Gegenwartsliteratur lässt sich in ihrer Gegenwärtigkeit erfahren, in der Präsentation, der Lesung, der Performance, im Slam, in den elektronischen Verbreitungsformaten, die literarische Texte unmittelbar und mit wenig Aufwand verfügbar machen. Literatur erfahren in ihrer „performativen Präsenz“ (O. Jahraus). Die präsentische Qualität wird als ästhetische Qualität erfahren. Warum sollten sich die TeilnehmerInnen der Jahrestagung nicht auf die Suche nach neuen literarischen Präsentationsformaten begeben?